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blog 0039 - bestialischer hass

01.10.2014 09:55

indem man den tierischen räuber zur „bestie“ stempelt,
schlägt man draussen mit abgefeimter brutalität,
was man drinnen in sich selbst nicht ausrotten kann,
das vor-zivilisatorische.

es kommt darüber hinaus in dem bestialischen hass
gegen den wolf aber noch weiter zum ausdruck,
dass man den eigenen frass,
dem die schafe ausschliesslich vorbehalten sein sollen,
insgeheim als die grauenvolle praxis empfindet,
die sie wirklich ist.

der eigene widerwille
gegen den mord am beschützten,
gegen den verkauf an den schlächter,
ist in die untersten seelischen schichten verstossen
und steigt in der wut gegen den illegalen fresser wolf,
der so viel harmloser ist als der verräterische hirte selbst,
mit blutunterlaufenen augen herauf.

im mord am wolf bringt man das eigene gewissen zum schweigen.

(max horkheimer, 1895-1973)

der sozialphilosoph max horkheimer gilt als begründer und,
gemeinsam mit adorno, als protagonist der „frankfurter schule“*
und hauptvertreter der „kritischen theorie“,
einer von hegel, marx und freud inspirierten gesellschaftstheorie.

horkheimer konstatierte einen zusammenhang
zwischen dem kapitalismus und der entstehung des faschismus:
als eine reaktion auf die krise des kapitalismus
versuche der faschismus, den kapitalismus
mit despotischen mitteln aufrechtzuerhalten.
„wer aber vom kapitalismus nicht reden will,
sollte auch vom faschismus schweigen“,
formulierte er pointiert am vorabend des zweiten weltkriegs.

im gegensatz zu marx versteht er den sozialismus nicht
als eine auf historischer gesetzmässigkeit beruhende zukunftsgesellschaft,
sondern als eine in der historischen entwicklung mögliche
politisch-gesellschaftliche konstellation,
die einen ausweg aus den sozialen widersprüchen und problemen
der gegenwart bieten könnte.

*frankfurter schule:
de.wikipedia.org/wiki/Frankfurter_Schule