blog 0059 - übertriebene ethik

19.10.2014 07:54

ethik hinter maschendraht

ich besuchte 1992 eine tierversuchsanstalt
der ehemaligen ciba-geigy ag (heute novartis ag)
und besichtigte auch einen stall mit 160 beagle-hunden,
die für einen einjährigen gifttest gebraucht wurden.

als ich den stall betrat,
toste mir ein höllenkrach entgegen,
ein ohrenbetäubendes bellen, jaulen. winseln, kreischen.

während ich mit dem mich begleitenden toxikologen
den schmalen gang zwischen
den beiden langen käfigreihen entlang ging,
stellten sich die hunde auf die hinterbeine
und streckten mir bettelnd die pfoten
zwischen den käfigstäben entgegen.
sie schienen zu flehen:
„nimm mich heraus aus diesem horror!"

trotz langer diskussionen
mit den tierexperimentatoren -
ihre missionarischen absichten,
mir gegenüber waren offensichtlich -
blieben alle fragen offen,
sowohl die wissenschaftlichen
als auch die ethischen.

es gebe eine „adäquate ethik"
und eine „übertriebene ethik",
erklärte mir der
für die makropathologie*
verantwortliche veterinär.

er sei seit zehn jahren in diesem business:

„beim töten des tieres versuche ich, das bestmögliche zu tun." …

„das sezieren ist lediglich ein ausschnitt aus dem tierversuch“ …

„und ich fühle mich nur für diesen ausschnitt verantwortlich.“ …

„wie soll ich als familienvater sonst überleben?“ …

„können sie mir eine alternative vorschlagen?" …
 

(lislott pfaff, *1931)

*das töten und sezieren der tiere nach dem versuch

http://www.textatelier.com/pers

lislott pfaff wurde in ihrem leben
während jahrzehnten von hunden
und/oder katzen begleitet,
und auch jetzt lässt sie sich zu hause
von einer kohlschwarzen katze tyrannisieren.

vor allem aber dreht sich ihr leben
immer noch ums schreiben.
schreiben von journalistischen beiträgen,
schreiben von lustigen oder traurigen,
märchenhaften oder satirischen
geschichten und gedichten.

2010 - novartis klageantwort tierversuche:

www.vgt.ch/justizwillkuer/vasella-novartis/klageantwort/beilage_11.pdf