blog 0070 - reformationsnacht

31.10.2014 06:25

1968: der spiegel

der 1956 verstorbene bischof joseph godehard machens
hatte 1949 in einem fastenhirtenbrief geschrieben:
wäre der mensch „nichts weiter als ein hochentwickeltes tierwesen,
dann gleicht er nur dem tiere, nicht mehr gott“

der evangelischen amtsbruder carl anders skriver zitiert in seinem buch
„verrat der kirchen an den tieren“ den machens-hirtenbrief
und nannte ihn einen „freibrief für alle grossen und kleinen tiermörder“.

skriver hält alle tiere - von der mücke bis zum mastschwein -
für gleichberechtigte und gleichwertige menschenbrüder.
der mensch soll sie weder töten noch auch nur ausnutzen dürfen.

seit es die christliche kirche gibt, hat sie die tiere verraten.

den missionaren habe es seit jeher vollauf genügt,
wenn die heiden ihren göttern abschworen.
die abkehr von gebratenem und gesottenem
sei den getauften nicht zugemutet worden,
weil das „zum zusammenstoss mit allen jägern, fischern,
tierzüchtern, schlachtern. pelz- und lederhändlern, ärzten ...
und den milliarden süchtigen fleischkonsumenten geführt“ hätte.

vor allem aber martin luther ruft der lutherische pastor skriver
als zeugen der tierliebe an.
skriver nimmt den reformator beim wort
und macht ihn zum vegetarier-idol,
obwohl luther gut gefüllte schlachtschüsseln zu schätzen wusste.

die „fleischessenden menschen“ der gegenwart sieht skriver so:
äusserlich hübsch und rosig,
innerlich aber ein verwesungsprozess
der verschiedensten tierteile,
voller totengebein und unreinheit!“

sogar den fleischlos lebenden milchvegetariern
kreidet er „diebisches verhalten gegenüber der kuh“ an:
„man schlemmt in milch, sahne, butter, käse, quark
und milchschokolade und weiss nicht,
dass an der weissen milch rotes blut klebt.“

gegen die tierschutzvereine, die oft nicht für das überleben,
sondern nur für schmerzloses töten von tieren eintreten,
polemisiert der pastor mit einem gleichnis:
„stellen sie sich einmal vor,
sie wären in die hände von kannibalen geraten,
und nun gäbe es unter diesen kannibalen
nette menschenfreunde,
mitglieder eines menschenschutzvereins,
die sorgten dafür,
dass sie für den kannibalenschmaus
human geschlachtet würden,
mit einem bolzenschussapparat oder so.“

mit seinem buch will er neue gesinnungsgenossen
aus allen schichten gewinnen.
auf einen berufsstand allerdings setzt er keine hoffnungen mehr:
auf seinen eigenen.
theologe skriver: „auseinandersetzungen mit den theologen
sind uferlos und sinnlos. den leuten ist nicht zu helfen.“ 

www.spiegel.de/spiegel/print/d-46050216.html

(dr. phil. carl anders skriver, 1903-1983)

www.gnuev.de/html/dr__carl_anders_skriver.html