blog 0079 - na toll

09.11.2014 08:48

tierschützer sind in einer schwierigen lage,
weil sie trotz fliessender übergänge
eigentlich nur gemässigt oder radikal sein können.

sind sie gemässigt, kann man ihnen inkonsequenz
und daher unglaubwürdigkeit und mangelnde kohärenz* vorwerfen.

sind sie aber radikal,
dann gelten sie als intolerant und kompromissunfähig.

ein ähnliches dilemma betrifft ihr öffentliches auftreten.

sind sie massvoll, so glaubt man, leichtes spiel zu haben,
und speist sie mit unverbindlichen versprechungen ab.

treten sie mit harten forderungen auf,
wirft man ihnen radikalität vor.

ihre situation ist aber noch viel schwieriger,
weil sie eigentlich gar keine gegner haben,
oder wer will sich schon
als tierfeind oder tierschutzgegner ansprechen lassen?

auch anhänger des anthropozentrischen humanismus
und des naturalismus bekennen sich zum tierschutz
auf der grundlage der verantwortungsethik.

also findet der streit um besseren tierschutz
immer nur unter tierfreunden statt:
extrem gemässigten, gemässigten, progressiven,
konsequenten und aggressiv-radikalen.

(gotthard m. teutsch, 1918-2009)

www.tierimrecht.org/de/news/2009/05/m_teutsch.php

prof. gotthard m. teutsch hatte entscheidenden anteil
an der geisteswissenschaftlichen und gesellschaftlichen weiterentwicklung
des allgemeinen bewusstseins für einen besseren tierschutz.

unzählige wissenschaftler, dissertanten etc. können bis heute
von seinen grundlegenden arbeiten profitieren
und ihre eigenen darauf aufbauen.

zeitweise auch tätig am forschungsinstitut für menschenrechte in zürich,
engagierte er sich seit den siebziger jahren sehr stark
für die belange des tier- und umweltschutzes.

neben der publikation unzähliger bedeutender eigener werke
gründete prof. teutsch das
„archiv für ethik im tier- natur- und umweltschutz(aet).

mit rund 5000 tierschutzdokumenten galt das aet weltweit
als eine der wichtigsten literatursammlungen zum thema tierethik
und umfasste eine grosse anzahl längst vergriffener
oder nur noch sehr schwer zugänglicher dokumente.

auf seinen ausdrücklichen wunsch hin wurde das aet im herbst 2006
systematisch in die bibliothek der tir (tier im recht) integriert.

diese lösung bot sich an, weil dort bereits ein grosser bestand
an einschlägiger literatur aufgebaut worden war
und dem begründer des archivs
eine stiftung als trägerschaft nachhaltiger erschien
als eine universitäre arbeitsgruppe, die sich im laufe der jahre
auch wieder ganz anderen schwerpunkten widmen könnte.

die tir-bibliothek ist eine präsenzbibliothek,
kann kostenlos genutzt werden.
kopiermöglichkeiten sind vorhanden.

*kohärenz: zusammenhang

siehe auch

www.dieratten.net/news/blog-0084-tierbefreiung/

www.dieratten.net/news/blog-0113-koharenz/