blog 0084 - tierbefreiung

14.11.2014 06:34

„befreiung der tiere“ ist eine besonders
im anglo-amerikanischen bereich vertretene
ethisch und kulturgeschichtlich bedingte
richtung des tierschutzes.

angefangen hatte es mit jeremy bentham (1748-1832),
der 1780 im rahmen des gleichheitsgrundsatzes
dafür eintrat, sich um die tiere
in ähnlicher weise zu kümmern,
wie bisher um die befreiung der sklaven.

diese verbindung des tierschutzes
mit dem gedanken der befreiung der tiere
aus der willkür des menschen
ist auch der grund dafür,
dass man sich in der anglo-amerikanischen tradition
viel früher und intensiver mit der frage befasste,
ob die tiere in ähnlicher weise
wie der mensch eigene rechte hätten.

in analogie zum rassismus sprachen
die amerikaner - etwas holprig - vom „speziesismus",
also die unterdrückung anderer sensitiver lebewesen
aufgrund ihrer zugehörigkeit zu einer
als minderwertig angesehenen spezies.

„befreiung der tiere“ hat im deutschsprachigen bereich
aber auch die bedeutung von meist
gewaltsamer tierbefreiung
und ist damit ganz in die nähe
des „militanten“ tierschutzes geraten.

„befreiung der tiere“ wird auf diese weise
oft missverstanden oder
auf die vorstellung reduziert,
man brauche nur alle eingesperrten tiere freizulassen,
und schon seien alle tierschutzprobleme gelöst.

„befreiung der tiere“ im ursprünglichen sinne
ist aber etwas ganz anderes
und ist erst dann erreicht,
wenn der mensch seine ausbeutungswillkür
aufgibt und dem tier gerechtigkeit widerfahren lässt.

(gotthard m. teutsch, 1918-2009)

 

siehe auch

www.dieratten.net/news/blog-0079-na-toll/

www.dieratten.net/news/blog-0113-koharenz/