blog 0085 - im spiegelbild die fratze

15.11.2014 06:23

grausamkeit vs. empathie

ein beliebter zeitvertreib in früheren jahrhunderten:
eine schlinge um den fuss eines vogels ziehen,
der sodann zur belustigung von jung und alt
am faden hoch- und heruntergezogen werden konnte.
die vögel flatterten in wolken
ihres bunten gefieders so lange,
bis sie vor schock und erschöpfung
tot am faden hingen.
einige kinder rissen dem noch
lebenden vögelchen die flügel aus
und spielten mit den restlichen körperteilen.

sie hatten keine augen,
das leiden des vögelchens zu sehen,
keine ohren,
seine schmerzensschreie zu hören,
kein empfinden,
das entsetzen dieses geschöpfes zu begreifen.
ganz zu schweigen von mitgefühl und erbarmen.

waren diese kinder besonders grausam?

vermutlich nicht grausamer als andere kinder.
doch sie lebten in einer kultur, die sie lehrte,
kein mitgefühl mit tieren zu haben;
sie wurden erzogen von eltern,
die ihnen tricks beibrachten,
wie man noch mehr freude
beim quälen von tieren haben konnte.
sie unterstanden lehrern und priestern,
die ihnen einredeten,
dass tiere keine seele hätten,
nicht in den himmel kämen,
nur kleine, zappelnde automaten seien
mit denen man machen könne, was man wolle.

heute würden wir solche kinder zur rede stellen.
solche sadistischen „spiele“
sind vom tierschutzgesetz verboten.

wir verurteilen menschen,
die tieren gegenüber grausam sind, als herzlos.

wenn reisende
derlei in anderen kulturkreisen sehen,
ist die empörung
über diese unkultivierten, primitiven gebräuche gross.

dabei werden grausamkeiten
ganz anderer dimensionen mitten unter uns geduldet.

und noch nicht einmal die vertreter
des deutschen tierschutzbundes zeigen den willen,
die unvereinbarkeit des tierschutzgesetzes
mit dem alltag in den tierfabriken anzuprangern.

auch ethisch ist diese untätigkeit unvereinbar
mit dem selbstverständnis einer aufgeklärten gesellschaft:
anders als die kinder im mittelalter
sind wir bestens informiert,
dass tiere keine automaten,
sondern sensible, schmerzempfindliche lebewesen sind,
die leiden wie wir.

und nicht nur, dass wir nichts tun,
um diesem milliardenfachen tierleiden
ein ende zu setzen,
nein, wir profitieren sogar davon,
indem wir billigfleisch und billigkäse
aus massenzuchtbetrieben kaufen.

um unser mitgefühl ist es somit
keinen deut besser gestellt,
als es bei den vogelquälenden kindern
des mittelalters der fall war.

wir merken nicht,
wie herzlos und grausam
wir noch immer tieren gegenüber sind -
in anderer weise, doch mit folgen,
die für immer mehr tiere weltweit
lebenslanges siechtum und tod bedeuten.  

das grauen ist bekannt.
es wird akzeptiert.
kein grund, innezuhalten,
den fleischkonsum zu überdenken,
das tierelend zu beenden.
je informierter der verbraucher,
desto leichter fällt die abspaltung
des tierleidens,
desto leichter die abwehr,
jedwedes mitgefühl zu eleminieren.

(dr. hanna rheinz, *1950)


www.merkur-online.de/lokales/weilheim/landkreis/starkes-trio-tierschutz-797354.html

 (quelle: zwischen streichelzoo und schlachtof)

 siehe auch:

 www.dieratten.net/news/blog-0101-fleischmensch/

 www.dieratten.net/news/blog-0085-im-spiegelbild-die-fratze/

 www.dieratten.net/news/blog-0064-hof-und-zoo/