blog 0100 - anglerhasser

30.11.2014 11:57

zu meinen unglücklichen kindheitserinnerungen
gehört das fischengehen
mit der familie eines nachbarn.

wir fuhren mit dem boot heraus
und ich war der erste,
der anglerglück hatte.
als ich den fisch hochzog
und er an der angel zappelte,
konnte ich in einer art erleuchtung
diese ganze szene plötzlich
aus dem blickwinkel des fisches heraus erleben.

darauf sagte ich: ich möchte den fisch
wieder zurücktun ins wasser.

die anderen lachten mich aus.
und je mehr sie lachten,
desto mehr brüllte ich,
bis es so weit war,
dass die ganze anglergesellschaft
sich wegen meines ausbruchs auflöste.

mein vater ergriff mich
und setzte mich nachdrücklich ins boot,
denn ich war dabei,
das boot durch mein hin- und herwippen
zum kentern zu bringen.

seit diesem ereignis war ich
ein leidenschaftlicher angelfeind.
wenn ich konsequent wäre,
sollte ich eigentlich ein vegetarier werden.

später, als ich ein motorboot besass,
machte ich es mir zur gewohnheit,
wann immer ich ein fischerboot sah,
den motor aufzudrehen und
mit gewaltigem röhren und wellengang
am boot vorbeizujagen,
in meiner ganz privaten anti-angler-fehde.

(glenn gould, 1932-1982)

www.youtube.com/watch?v=aqIIM9xXPXk

das leise, aber hörbare mitsummen gilt,
obwohl ihm selbst zufolge unbeabsichtigt,
als ein markenzeichen goulds.
bei vielen seiner aufnahmen ist es vernehmbar,
vor allem bei seiner zweiten einspielung
der goldberg-variationen von bach.

durch seine originelle technik
versuchte gould die klanglichen möglichkeiten
seines instruments zu erweitern.
durch spezielle arten des anschlags
vermochte er auf dem klavier
stücke regelrecht zu orchestrieren,
indem er die einzelnen stimmen
in unterschiedlichen klangfarben spielte.

die aufnahmen der werke
johann sebastian bachs waren es,
die hauptsächlich seine bis heute
anhaltende geltung begründeten.

er tat sich aber ebenso als interpret
der werke ludwig van beethovens hervor,
die in seinen einspielungen teils jugendlich-ungestüm,
teils nachdenklich-stimmungsvoll erklingen.

sein respektloses verhältnis gegenüber
einigen komponisten wie mozart und
ludwig van beethoven ist bekannt.

so legte gould eine umstrittene gesamtaufnahme
der klaviersonaten mozarts vor.

er bezeichnete mozart als einen
mittelmässig begabten komponisten,
der eher zu spät als zu früh gestorben sei.

gould verstand sich nicht als
rein wiedergebender interpret,
sondern vielmehr als nachschöpfender,
musizierender komponist.

dies ist letztlich auch der grund seiner bemühungen,
vertraute musik in oftmals ungewohnter weise aufzuführen.