blog 0144 - fledermaus

19.01.2015 08:19

im neuen jahr trat eine neue stationskatze in mein leben.
sie kam für so kurze zeit, schlich sich in mein leben
und versteckte sich, kaum bemerkt,
im schatten meiner anerkennung.

ich kann nicht sagen, an welchem tag
ich sie zum herumlaufen hinausbrachte oder gar warum,
nur dass ihre schüchternheit mich ansprach.

so winzig, so ängstlich, so langsam,
was die anpassung an den status
einer eingesperrten katze anging.

ich entsinne mich nicht einmal,
wie und wann ich sie wiederfand.

ich erinnere mich, dass sie verschwand,
sich an irgendeinem unbekannten ort versteckte,
einer der orte, der uns beiden bald so vertraut werden sollte.

dass sie ein teil meines lebens wurde,
passierte auf so natürliche weise,
dass ich gar nicht aufpasste.

und dann, ganz plötzlich,
begann mein tag,
wenn ich in ihren käfig sah
und sie miaute und ans gitter lief.

sie war nicht länger in meinem schatten,
sondern war nun selber mein schatten
und wartete geduldig,
während ich behandlungen beendete;
dann stolzierte sie neben mir
durchs wartezimmer ins büro.

an sprechstundentagen sass sie an der tür und sah zu,
wie die patienten kamen.
anders als clancy war sie eine zuschauerin.
sie beobachtete, bis jemand sie bemerkte,
und dann suchte sie unterschlupf.

gelegentlich machte sie einen ausflug zum aufzug
oder begleitete mich die hundert meter zur toilette.

anschliessend begab sie sich
zu einem abgeschiedenen platz und schlief zufrieden.

sie wählte eine schublade, manchmal das fensterbrett
oder einen schrank und oft ihren korb,
in diesen monaten blühte sie auf.

obwohl sie immer noch schüchtern war,
wagte sie sich in den klinikbereich,
besuchte patienten, betrat und verliess
die kabinen unter den trennwänden hindurch,
bis sie mich fand.

ihr name war fledermaus,
weil sie wie eine aussah mit ihrer hasenscharte
und einer schmalen furche in der mitte ihrer platten nase.

(samatha mooney)


die katzenklinik - meine vierbeinigen patienten