blog 0154 - wolfslauf

31.01.2015 07:51

der wolf geht rastlos auf und ab,
das gitter entlang, um das wasserbecken herum,
um das wasserbecken herum, das gitter entlang.

er scheint es nicht zu fassen,
dass die welt so enge grenzen hat,
er prüft unablässig,
ob die grenzen wirklich grenzen sind.

in seinem weichen schritt klagt unerlöste schnelligkeit.

die gefangenschaft mag sein wolfsherz weniger drücken,
als dass er, der so laufen kann, nicht laufen kann.

er wird sterben an gebrochenem tempo,
wenn nicht zuvor der messias kommt,
der alle käfigtore öffnet und spricht: seid frei!

(alfred polgar, 1873-1955)

„der idealist geht glatt durch mauern
und stösst sich wund an der luft.

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alfred polgar, österr. schriftsteller
in den 1920er jahren lebte polgar überwiegend in berlin.
viele artikel von ihm erschienen in dieser zeit im berliner tageblatt.
gemeinsam mit egon friedell schrieb er ab 1921 das böse buben journal.

nach der machtergreifung hitlers in deutschland
wurden seine bücher verbrannt.

polgar musste nach wien zurückkehren.
der anschluss österreichs zwang ihn zur flucht nach marseille,
von wo aus ihm 1940 die emigration in die usa gelang.

1949 kehrte er als us-amerikanischer staatsbürger nach zürich zürück.  

 

kurt tucholsky – rezensionen:

da ist ein entzückendes kleines buch erschienen,
zu dem man einmal aus ganzem herzen ja sagen kann:
„katzen“ von axel eggebrecht
es ist das höchste kompliment,
das ich dem verfasser machen kann,
wenn ich es ganz nahe an alfred polgar heranrücke.