blog 0166 - tierliebe

25.02.2015 06:03

tierliebe ist eine meist als fragwürdig oder
zumindest als schrullig dargestellte eigenschaft,
die insbesondere von deutschen beansprucht
und die ihnen in dieser eingeschränkten weise
auch bereitwillig zugestanden wird.

in der wissenschaftlichen literatur wird das thema tierliebe kaum behandelt.

ist tierliebe eine einstellung, die auf einer liebe zum tier um des tieres willen,
also einer selbstlosen liebe zu allen tieren ohne ansehen ihrer art beruht,
dann ist tierliebe ziemlich selten.

die mehrzahl der tierfreunde sind freunde einer bestimmten art,
die tierliebe schrumpft bei näherem hinsehen zur hunde- oder katzenliebe,
die deswegen nicht schlecht gemacht werden soll,
aber dem anspruch der tierliebe nicht genügt.

auch wer seine eigenen kinder liebt,
ist deswegen noch kein menschenfreund.

nicht selten sind hundefreunde gleichzeitig katzenfeinde und umgekehrt;
auch vogelfreunde sind aus verständlichen gründen
auf katzen nicht gut zu sprechen.

alles in allem: tierfreunden und tierschützern fehlt es oft
an der nötigen kohärenz ihrer einstellung.

voraussetzung einer umfassenden tierliebe ist sicher
die bei mensch und tier ähnliche gefühlsausstattung emotümalität,
die es den wirbeltieren, mindestens aber den säugetieren ermöglicht,
auf die gefühlsmässige zuwendung des menschen
in emotional bestimmter weise zu reagieren.

zu nicht-wirbeltieren kann der mensch
wahrscheinlich nur einseitige beziehungen aufnehmen,
die jedoch keineswegs belanglos sein müssen.

unter extremen bedingungen kann das bescheidenste lebewesen
zum partner oder doch zum symbol eines partners werden.

auf dem hintergrund der emotionsfähigkeit der säugetiere
spielen für die tierliebe auch andere motivationen ein rolle,
etwa wenn kinder sich ein tier wünschen,
wenn man sich einsam fühlt oder
weil man in der denaturierten und von konkurrenz beherrschten welt
„eine emotionale entlastung in liebe und gegenliebe zu finden“ hofft.
auch zwischenmenschliche enttäuschung und verbitterung
kann den menschen an das tier verweisen.

das fazit von baumann und fink fällt entsprechend aus:
„machen wir uns nichts vor, mit selbstloser zuneigung
zur hilflosen kreatur hat unsere vermeintliche tierliebe wenig zu tun.“

wenn dann noch menschlicher egoismus und mangelnde einsicht
in die artspezifischen bedürfnisse der tiere
in die beziehung und haltung miteinfliessen,
kann diese tierliebe durchaus tierquälerische folgen haben,
etwa für einen wellensittich, der bewusst einzeln gehalten wird,
damit er in seiner isolierung auf seinen partner angewiesen ist.

mit anderen worten, die tiere werden so gehalten,
dass man möglichst viel von ihnen hat,
was die tiere an uns haben, ist eine ganz andere frage.

so wird unsere tierliebe in hohem masse von selbstliebe bestimmt.

dass diese art von tierliebe dann auch auf manche
verbände und publikationen durchschlägt, kann niemand wundern.

dass es bei dieser negativ beurteilten sogenannten tierliebe
auch eine uneingeschränkt positiv zu bewertende liebe
zu den mitgeschöpfen gibt, ist unbestritten
und um so unanfechtbarer, je selbstloser sie sich
als praktische humanität und solidarität bewährt.

 (gotthart m. teutsch, 1918-2009, tierschutzethik)

siehe auch:

www.dieratten.net/news/blog-0122-verhaltnis-zum-verhalten/

www.dieratten.net/news/blog-0113-koharenz/

www.dieratten.net/news/blog-0084-tierbefreiung/

www.dieratten.net/news/blog-0079-na-toll/