blog 0171 - tierversuch am eigenen hund

03.03.2015 06:23

george bernhard shaw schrieb in seiner vorrede zu dem stück
„der arzt am scheideweg“ wie folgt:
„keine regierung spricht das streben nach wissen
von allen gesellschaftlichen bedingungen frei,
ebensowenig wie das streben nach leben,
freiheit oder glück von solchen bedingungen freispricht.

keinem menschen wird erlaubt, seine mutter in den ofen zu stecken,
weil er wissen möchte, wie lange eine erwachsene frau
eine temperatur von 500 grad fahrenheit überleben kann,
einerlei, wie wichtig oder interessant diese besondere vermehrung
des schatzes menschlichen wissens auch sein mag.

mit einem menschen, der das täte, würde kurzer prozess gemacht werden,
nicht nur mit seinem recht auf wissen, sondern mit seinem recht auf leben
und gleichzeitig mit all seinen anderen rechten.

das recht auf wissen ist nicht das einzige recht,
und seine ausübung muss, unter hinsicht auf diese anderen rechte
und auf die ausübung dieses rechtes selbst,
von anderen menschen begrenzt werden.

wenn ein mensch die gesellschaft fragt:
'darf ich meine mutter in dem streben nach wissen martern?',
antwortet die gesellschaft: 'nein'.

wenn er erklärt: 'was, nicht einmal dann,
wenn ich die gelegenheit hätte, zu erfahren,
wie man dadurch den krebs heilen könnte?',
antwortet die gesellschaft noch immer: 'nicht einmal dann.'

wenn der wissenschaftler seine enttäuschung,
so gut er kann, zu ertragen sucht und weiter fragt,
ob er einen hund martern dürfe,
werden dumme und gefühllose menschen,
denen nicht klar ist, dass ein hund ein mitgeschöpf
und manchmal ein guter freund ist, vielleicht ja sagen,
obgleich shakespeare, dr. johnson und ihresgleichen
vielleicht nein sagen würden.

aber selbst die, welche sagen: 'du darfst einen hund martern',
sagen niemals: 'du darfst meinen hund martern',
und niemand sagt: 'ja, weil du in der verfolgung
der wissenschaft tun darfst, was dir gefällt.'

während die dümmsten menschen eigentlich sagen:
'wenn du das wissen nicht erlangen kannst,
ohne deine mutter zu verbrennen,
musst du auf das wissen verzichten',
sagen die weisen menschen:
'wenn du das wissen nicht erlangen kannst,
ohne einen hund zu martern,
musst du auf das wissen verzichten.'

(george bernhard shaw, 1856-1950)

vivisektionsgegner, radikaler gegner von tierversuchen

sein viel zu früher tod:
im alter von 94 jahren stürzte bernhard shaw
beim pflaumenpflücken von einer leiter
und starb in der folge an einem nierenversagen.