blog 0193 - illegitim

27.03.2015 05:46

wir hören, dass gott den menschen und den tieren die pflanzen
wir hören also nicht, dass er dem menschen das tier und den tieren
die tiere zur nahrung verordnet habe.

aus diesem verschweigen geht hervor:
dass gott der schöpfer gerade das nicht getan habe.

die mensch und tier von gott dem schöpfer zugewiesene kost ist -
ob uns das durchführbar und lustig deucht oder nicht -
die vegetarische kost.

hier wird es sichtbar: die dem menschen übertragene hoheit
über das tier ist keine herrschaft über leben und tod;
sie ist keine blutgerichtshoheit.

und auch den tieren selbst und unter sich
ist diese gewalt von gott dem schöpfer nicht gegeben.
wo diese gewalt von mensch und tier gebraucht wird,
da wird sie, von ihrer schöpfung her gesehen,
illegitim gebraucht.

quelle: die kirchliche dogmatik - lehre von der schöpfung

(karl barth, 1886-1968)


www.heiligenlexikon.de/BiographienK/Karl_Barth.html

karl barth war ein schweizer evangelisch-reformierter theologe.
er gilt im bereich der europäischen evangelischen kirchen
aufgrund seines theologischen gesamtwerks
als „kirchenvater des 20. jahrhunderts“

 

kampf für versöhnung, gegen restauration und aufrüstung nach 1945

anfang 1945 wurde barth mitglied im „nationalkomitee freies deutschland“,
in dem antifaschisten, sozialdemokraten und exilkommunisten
eine freie sozialistische neuordnung für ganz deutschland konzipierten.

er setzte sich für die umfassende versöhnung mit den deutschen ein
und beschrieb in „die deutschen und wir“ gottes stellung
zu diesem volk mit den worten:
„her zu mir, ihr unsympathischen, ihr bösen hitlerbuben und -mädchen,
ihr brutalen ss-soldaten, ihr üblen gestaposchurken,
ihr traurigen kompromissler und kollaborationisten,
ihr herdenmenschen alle,
die ihr nun so lange geduldig und dumm
hinter eurem sogenannten führer hergelaufen seid!
her zu mir, ihr schuldigen und mitschuldigen,
denen nun widerfährt und widerfahren muss,
was eure taten wert sind! her zu mir, ich kenne euch wohl.

ich frage aber nicht, wer ihr seid und was ihr getan habt;
ich sehe nur, dass ihr am ende seid und wohl oder übel
von vorne anfangen müsst;
ich will euch erquicken, gerade mit euch will ich
jetzt vom nullpunkt her neu anfangen!“

so bekämpfte barth in der nachkriegszeit rache und hass
und warb für eine christliche solidarität mit den besiegten deutschen.


im „darmstädter wort“ von 1947 bezeichnete barth den marxismus
als legitime erinnerung der christen an die auferstehung der toten
und die diesseitigkeit des „reiches gottes“.

nun bekämpfte er energisch den christlichen antikommunismus
im aufkommenden kalten krieg und hielt am ziel
eines gesamtdeutschen demokratischen sozialismus fest.