blog 0206 - heilige und tiere

14.04.2015 06:54

heilige und tiere ist nicht nur der titel
eines wichtigen buches von joseph bernhart,
sondern auch ein thema, unter dem ein teilaspekt
der mensch-tier-beziehung und der tierliebe begriffen wird.

heilige gibt es in allen religionen,
und erstaunlicherweise ist die liebe zum tier
eine ihrer hervorstechenden gemeinsamen eigenschaften.

gertrude und thomas sartory haben das überzeugend belegt:
ein heiliger ohne güte, ohne mitgefühl für alle lebewesen,
mensch wie tier, wäre ein sonderbarer heiliger - ein monstrum,
wie es der himmel sich nicht bieten lassen kann.

die heiligen fragten weniger danach,
wie die dinge nun einmal tatsächlich sind, als danach,
wie sie hätten sein sollen und wie sie wieder sein werden ...
und das gilt eben nicht nur vom menschen,
es gilt von aller kreatur.

paulus sagt darum im römerbrief,
dass die gesamte schöpfung seufze
und in wehen liege und auf etwas warte,
das sie aus den fesseln ihrer nichtigkeit befreien werde.

der gesamten kreatur stehe eine niveauveränderung bevor -
dann, wenn der mensch auch seiner sichtbaren erscheinung nach
wieder ganz der sein werde, der er sein soll
.

das leben der heiligen ist wie ein stück vorweggenommener verheissung.
hier wird ahnbar und in bestimmten augenblicken sogar sichtbar,
wie der mensch eigentlich gemeint ist -
und von welcher art seine beziehung zum tier
nach dem willen des schöpfers hätte sein sollen.

dieser hauch von paradies gibt den geschichten
von heiligen und tieren ihren eigentümlichen zauber -
so als schaute man durch ein guckloch in den garten eden hinein.

für den abendländischen menschen steht franz von assisi
als symbol für die gestalt des heiligen in seiner beziehung zum tier.

selbstverständlich darf die heiligenliteratur
nicht unkritisch herangezogen werden,
wie lieselotte junge nachweist,
weil wunder zum zeitbedingt notwendigen bestand
der heiligen-legenden gehörten:
je wilder ein tier und je unglaublicher
seine vertrauens- oder gehorsamsbeweise,
desto höher das ansehen der sie bewirkenden heiligen.

dennoch ist die blosse unglaublichkeit eines berichtes
noch kein kriterium der unglaubwürdigkeit des erzählers,
denn auch plötzliche begegnungen mit mächtigen tieren
können einen erstaunlichen verlauf nehmen,
wenn der mensch nicht als feind,
sondern in friedlicher gelassenheit auftritt.

(gotthard m. teutsch, 1918-2009)

siehe auch

www.dieratten.net/news/blog-0181-das-tier-im-kind/

www.dieratten.net/news/blog-0113-koharenz/

www.dieratten.net/news/blog-0084-tierbefreiung/

www.dieratten.net/news/blog-0079-na-toll/