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blog 0219 - lebendige erinnerungen

26.05.2015 06:57

die bestie ist immer am oberen ende der leine!

aus einem brief von gert haucke:

angefangen hatte es vor einigen jahren:
ein unfall mit einem bissigen hund wurde
von der boulevardpresse in die schlagzeilen gehievt.
es war parlamentarische sommerpause,
sensationelles sonst hatte sich nicht ereignet.

die aufregung der vermeintlich betroffenen war von kurzer dauer.
es war zu hoffen, dass einsicht auf seiten der behörden,
wie auch vernunft auf seiten der hundebesitzer
die wogen der erregung glätten würden.

im gegenteil: die presse krallte sich am thema kampfhunde fest.

jeder hundebiss garantierte ja auflagensteigerung.
eine endlose kette unsinniger bestimmungen und verordnungen -
vom desinteressierten staat jeder,
auch der kleinsten kommune, überlassen -
verunsicherte die bevölkerung kontinuierlich.

sie veranlasste immer mehr menschen mit mangelndem selbstwertgefühl
oder im drogen- und prostitutionsmilieu sich so einen fast,
aber doch nicht ganz verbotenen hund anzuschaffen.
immer mehr kriminelle vermehrer von staffordshire terriern
und deren blendlingen züchteten die hunde auf besinnungslose aggression,
mit einer verheerend niedrigen reizschwelle,
so dass alles und jedes die tiere zum ausrasten bringen kann.

hilflose behörden sahen tatenlos zu,
wie das geschäft der skrupellosen vermehrer florierte.

stattdessen: bar jeder sachkenntnis lange listen
von zu verbietenden hunderassen.
die regierung sah sich schliesslich missmutig gedrängt,
ein zeichen zu setzen.

die innenminister aller länder konferierten feierlich.
resümee: jegliche obrigkeit innerhalb der brd
durfte weiterwurschteln wie bisher.

diese sträfliche indolenz angesichts zahlloser tierasyle,
die mit hunderten von „staffs“überbelegt,
aus allen nähten platzten und einer rapide wachsenden zahl
von überaggressiven hunden in der hand von zuhältern
und drogendealern erzeugte hochspannung.

aus ratlosigkeit und durch die von den medien
lustvoll und hochgepeitschte panikmache
entstand eine atmosphäre allgemeiner hysterie.

der ganze mühsam zurückgehaltene hundehass
entlud sich explosionsartig,
als jetzt ein kind von einem durchgeknallten hund getötet wurde.

jetzt ist die zeitbombe hochgegangen.
jetzt rächt sich die jahrelange borniertheit von inkompetenten bürokraten,
die vom grünen tisch aus unsinniges verordnen.
nichts davon war geeignet, die wachsende panikmache zu beenden.
keine einzige der wichtigtuerischen bestimmungen
und verordnungen konnte die situation entschärfen.

voll beschäftigt mit dem endlosen kritzeln sogenannter kampfhundlisten
ignorierten die behörden die realität.

diese tatsache und nichts anderes kostete
dem sechsjährigen jungen das leben
.

(gert haucke, 1929-2008)

der schauspieler gert haucke gab sein bühnendebüt 1947.
daneben arbeitete haucke als nachrichtensprecher beim rias berlin
und lieh seine stimme zahlreichen hörspielproduktionen.
besonders populär wurde er dabei als vater in der hörfunkreihe
„papa, charly hat gesagt… aus der feder seiner schwester ursula haucke.

darüber hinaus engagierte sich der tierschützer haucke umfangreich
für rechte von hundehaltern und verfasste sehr viele artikel,
kurzgeschichten, jugendromane und erzählungen um und über haustiere.
er ist mitverfasser des 1993 erschienenen sachbuchs
die sache mit dem hund. 100 rassen kritisch unters fell geschaut
und viele tipps, wie man sich den hund zum freund macht.