blog 0220 - empört euch!

01.06.2015 09:06

neues schaffen heisst
widerstand leisten

widerstand leisten heisst
neues schaffen.

 

wir müssen den weg der gewaltlosigkeit gehen lernen,
die zukunft gehört der gewaltlosigkeit
und der versöhnung der kulturen.

das muss, das wird die nächste etappe der menschheit sein.

man kann die bombenwerfer nicht entschuldigen, aber verstehen.

sartre schrieb 1947: „ich gebe zu, dass gewalt,
in welcher form sie sich auch immer äussert,
ein scheitern ist.
aber es ist ein unvermeidbares scheitern,
weil wir in einer welt der gewalt leben;
und wenn es wahr ist,
dass der rückgriff auf gewalt gegen gewalt
sie zu verewigen droht,
so ist auch wahr,
dass sie das einzige mittel ist,
sie enden zu lassen.“

ein noch besseres mittel gegen gewalt ist gewaltlosigkeit.

es geht nicht an, nach sartres beispiel im namen
des von ihm postulierten prinzips terroristen zu unterstützen,
sei es während des algerienkriegs oder
1972 beim attentat  in münchen gegen israelische athleten

damit kommt man nicht weiter,
und sartre selbst hat sich am ende seines lebens gefragt,
welchen sinn terrorismus habe, und seine berechtigung bezweifelt.

„gewalt wirkt nicht“, ist eine wichtigere erkenntnis, als zu wissen,
ob ihre vollstrecker zu verurteilen sind oder nicht.

terrorismus wirkt nicht.

wirksamkeit setzt gewaltlose hoffnung voraus.

gewalttätige hoffnung kommt allenfalls
in der dichtung guillaume apollinaires vor -
„wie brutal doch die hoffnung ist“ -,
aber nicht in der politik.

im märz 1980, drei wochen vor seinem tod, erklärte sartre:
„man muss zu erklären versuchen,
warum die gegenwärtige welt, die schrecklich ist,
nur ein augenblick im langen geschichtlichen ablauf ist,
dass die hoffnung immer schon eine der grossen triebfedern
der revolutionen und aufstände war,
und wie sehr spüre ich noch,
dass die hoffnung meine vorstellung von der zukunft ist.“

wir müssen begreifen, dass gewalt von hoffnung nichts wissen will.

die hoffnung ist ihr vorzuziehen - die hoffnung auf gewaltlosigkeit.
das ist der weg, den wir einschlagen müssen.

wenn es gelingt, dass unterdrücker und unterdrückte
über das ende der unterdrückung verhandeln,
wird keine terroristische gewalt mehr erforderlich sein.

deshalb darf man nicht zulassen,
dass sich zu viel hass aufstaut.

die botschaft eines mandela, eines martin luther king ist ein credo
jenseits einer welt ideologischer konfrontation
und eroberungswütiger totalitaristen.

es ist eine botschaft der hoffnung,
dass die gesellschaften unserer zeit
konflikte durch gegenseitiges verständnis
in wachsamer geduld werden lösen können -
auf der grundlage unabdingbarer rechte,
deren verletzung,
von welcher seite auch immer,
unsere empörung auslösen muss!

(stéphane frédéric hessel, 1917-2013)

 de.wikipedia.org/wiki/St%C3%A9phane_Hessel

stepane hessel war ein französischer résistance-kämpfer,
überlebender des konzentrationslagers buchenwald,
diplomat, lyriker, essayist und politischer aktivist.

hessel wurde nach seiner kz-haft 1946 büroleiter
des un-vize-generalsekretärs henri laugier.
in dieser funktion war er bei sitzungen der neu geschaffenen
un-menschenrechtskommission präsent.

laut verschiedener medienberichte war er in diesem zusammenhang
an der erstellung der allgemeinen erklärung
der menschenrechte der un redaktionell beteiligt,
wobei er sich selbst jedoch eher als passiven zeugen
dieser ereignisse beschrieb.

hessel blieb bis 1951 bei der uno,
danach war er im französischen aussenministerium in paris tätig.

dann wurde er mitarbeiter von pierre mendès-france
und lebte nach dessen fall für einige jahre in vietnam.

1962 gründete er in frankreich die vereinigung
für die ausbildung von afrikanischen und madagassischen arbeitnehmern.

grosse aufmerksamkeit erregte 2010 hessels essay empört euch!,
in dem er harsche kritik an verschiedenen aktuellen politischen entwicklungen übt
und zum widerstand aufruft.

die protestbewegung in spanien gegen die folgen der finanzkrise,
die entsprechenden griechischen, französischen und portugiesischen
sozialen protestbewegungen sowie die occupy-bewegung
berufen sich teilweise auf ihn.