blog 0224 - untertan

22.06.2015 06:56

gegenüber dem tier ist der mensch gewohnheitsverbrecher.

moralische bedenken gegen kalbsbraten?
vonseiten der erzieher nicht.
vonseiten der jurisprudenz nicht.
vonseiten der moraltheologie nicht.
von tausend anderen moralischen seiten nicht.

von der des kalbes vielleicht?

die jeder beschreibung spottende moderne vermarktung des tieres
ist nichts als die technisch forcierte und perfektionierte fortsetzung
eines nie abreissenden massenmordes durch alle christlichen zeiten,
das resultat letztlich des anfangsschreis: „machet sie euch untertan“ -
das umfassendste unterjochungs- und todesverdikt der geschichte,
infernalischer auftakt der deformierung eines sterns zum schlachthaus.

seit zwei jahrtausenden brüstet sich die christenheit,
das tieropfer von anfang an abgeschafft zu haben; stimmt.
und doch hat sie mehr tiere geopfert als jede andere religion -
nur nicht mehr gott, sondern dem eigenen bauch.

wer die kirche verlässt: ein lichtblick für mich;
wer kein tier mehr isst: mein bruder

(karlheinz deschner, 1924-2014) 

de.wikipedia.org/wiki/Karlheinz_Deschner

deschner war überzeugter vegetarier und hat mehrmals gesagt,
wenn er noch einmal leben könnte, dann würde er seine kraft
einer noch hoffnungsloseren thematik widmen
als der bekämpfung des christentums – dem tier.

deschner heiratete 1951 seine lebensgefährtin, die geschiedene elfi tuch.
aus dieser ehe gingen drei kinder hervor.
die katholische kirche stellte öffentlich die exkommunikation des ehepaars
wegen ihrer ungültigen verbindung fest, durch bischof julius döpfner.

deschner hatte bis dahin nichts kirchen- oder religionskritisches publiziert.

viele werke des autors hatten in der fachwelt ein lebhaftes echo.
das rührte zum einen daher, dass seine ideen oft
der herrschenden lehre bzw. meinung widersprachen.

das buch abermals krähte der hahn, das 1962 erschien,
wird seitdem von interessierten und kirchenkritikern
als fundiertes standardwerk betrachtet.

dank privater förderung konnte deschner sich
ohne grössere materielle sorgen seinem hauptwerk
„kriminalgeschichte des christentums widmen.

deschner beschrieb einmal seine motivation zum schreiben so:
„ich schreibe aus feindschaft. denn die geschichte derer,
die ich beschreibe, hat mich zu ihrem feind gemacht“

michael schmidt-salomon lobte deschner in einem nachruf als
„juwel der aufklärung“